Lasst uns über Geld sprechen: Die re:publica wird teurer. Und günstiger.

11.10.2022 - Ein Statement der re:publica-Gründer*innen
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Die re:publica-Gründer*innen
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Die re:publica-Gründer*innen

Schreiben alle, ist aber trotzdem wahr: Wir erleben krasse Zeiten. Pandemie. Klimakrise. Kriege. Politische Umbrüche. Daraus folgend, zunächst mal nur das warme, reiche Deutschland betrachtend (dass die Folgen eines Krieges für die tatsächlichen Opfer völlig andere und sehr viel schwerwiegendere sind, ist uns dabei bewusst): 

Hohe Inflationsraten, steigende Lebensmittel- und Energiekosten. Drohende Armut bei denjenigen, die ohnehin schon zu wenig haben, aber auch schwer zu bewältigende Herausforderungen bei denen, die bisher noch ganz gut zurechtkamen. Bergeweise Probleme bei denen, die selbstständig arbeiten oder kleinere bis mittlere Unternehmen leiten.

Gehen wir ins Detail, schauen wir uns unsere ganz eigene Arbeit an, blicken wir auf die Veranstaltungsbranche: Obwohl 2022 vieles wieder möglich ist, werden kleinere Konzerte und Events reihenweise abgesagt, auch andere Event-Veranstalter*innen kämpfen oder mussten schon aufgeben – zu wenig zahlungskräftiges Publikum bei massiv gestiegenen Kosten und dem immer noch bestehenden Defizit aus den vergangenen zwei Jahren: Schlechte Kombination. Größere Events mögen hier und da noch funktionieren, wie es aber hinter den Kulissen aussieht, weiß niemand so genau.

Und wie geht es der re:publica? Danke für die Nachfrage. Geht so.

Bis zur kurzfristigen Absage der damals so gut wie fertig geplanten rp20 hatten wir bereits jede Menge Tickets für 2020 verkauft und dadurch rund 250.000 Euro Einnahmen generiert. Diese Einnahmen halfen uns später – gemeinsam mit den offiziellen Corona-Hilfen und dem ersten Darlehen in der re:publica-Geschichte – durch die veranstaltungs- und damit auch umsatzlose Zeit. Unser Kernteam haben wir auf diese Art zwar durchgebracht, wirtschaftlich gesehen stehen wir dadurch aber 2022 wesentlich schlechter da als zuvor, als wir noch ohne Darlehen oder Fremdinvestitionen die re:publica machen konnten. 

Selbstverständlich waren diese Tickets für 2020 auch 2022 noch gültig, brachten aber keine Einnahmen für dieses Jahr. Außerdem sorgte Corona bei potentiellen Gästen und auch Partner:innen für Zurückhaltung. Gleichzeitig sind nach den zwei harten Jahren für die Veranstaltungsbranche in 2022 die Kosten für die Produktion eines Events wie der re:publica massiv gestiegen. Und zwar um 47% im Schnitt, in einzelnen Fällen um bis zu 100%. Alle müssen halt zusehen, wie sie die Corona-Verluste wieder einfahren. Nachvollziehbar. Aber teuer für uns. Wer in 2021 auf der Basis der bis dahin bekannten Kosten ein Event für das folgende Jahr kalkuliert hat, sah sich 2022 einer unvorhergesehenen, sehr kostenintensiven neuen Realität gegenüber.

Wir haben auf diese Situation reagiert, indem wir alle möglichen Sparmaßnahmen eingeleitet haben. Und letztendlich haben wir es damit geschafft, die wunderbare, glückselige und wirklich schöne rp22 äußerst knapp zu finanzieren. Die eingesparten Kosten mussten dennoch ausgeglichen werden, und zwar hauptsächlich vom Team, das mit unfassbarem Einsatz über die Grenzen der Belastbarkeit hinausgegangen ist. Und das sagen wir als Veranstalter, die sehr hohe Belastungen gewohnt sind.

Aber wir können das nicht mehr so machen. Wir können nicht mehr bis kurz vor dem Event zittern, ob alles gerade noch mal gutgeht, und uns, unser festes Team und alle mit uns verbundenen Freien ausbrennen und danach im besten Fall bei einer schwarzen Null anfangen, ohne Perspektive für eine etwas längerfristige Planung (geschweige denn für neue Projektideen), ohne Pause, einfach wieder von vorne. Wir brauchen mehr Leute, die fair bezahlt werden sollen, wir brauchen eine gewisse Planungssicherheit, wir brauchen Rücklagen für Darlehenstilgungen, harte Phasen oder steigende Produktions- und Energiekosten, wir brauchen Geld für neue Pläne, um unsere inhaltlichen Ziele zu erreichen und um weiter in die re:publica investieren zu können.

Wir stehen dabei in einem Konflikt: Einerseits wollen wir eine möglichst offene Konferenz für die digitale Gesellschaft sein, die eben keine „normalen“ Konferenzpreise aufruft. Außerdem wissen wir, dass es vielen unserer Gäste wirtschaftlich auch nicht so super geht. 

Andererseits haben wir aber ein Team und eine Großveranstaltung zu finanzieren.

Die re:publica ist dabei ja keine gewöhnliche Veranstaltung. Sie ist kein Business-Meetup und keine Fachkonferenz. Sie ist keine Ausstellungsmesse und auch kein Startup-Investoren-Matchmaking. Sondern die re:publica ist eine aus der digitalen Sphäre erwachsene Gesellschaftskonferenz, deren Themen- und Gästevielfalt in Europa, vielleicht sogar weltweit ihresgleichen sucht. Hier, bei der re:publica, geht es nicht darum, die besten Kontakte für den nächsten Deal zu finden. Sondern hier geht es um inhaltlichen Austausch, um verschiedene Perspektiven, um Mitsprache und Gestaltungswillen, um Ideen, um Bewegung. Es geht nicht zuletzt auch um die alten, aber immer stärker drängenden Fragen, wie wir Krisen bewältigen können, welche Gegenwart und Zukunft wir uns vorstellen und wie wir eigentlich leben wollen. Wer wir sein wollen. Als Individuen und als Gesellschaft. Es geht letztendlich um Demokratie und Diskurs. Und daher braucht es die re:publica. Um Bundeskanzler Olaf Scholz zu zitieren: „Wir brauchen den Weltgeist der re:publica“.

Um die re:publica zu schützen, brauchen wir Unterstützung von den Akteuren, die uns am Herzen liegen, die aber umgekehrt auch ein Interesse an einer re:publica haben. Das sind auf Seiten der Kooperationen und Partnerschaften auch staatliche Akteure und natürlich die Stadt Berlin. Das sind aber auch öffentlich-rechtliche und private Medien. Und es sind Stiftungen und andere gemeinnützige Institutionen, denen gesellschaftliche Debatten über die Auswirkungen, die Folgen und die Gestaltung der Digitalisierung ein Anliegen sind. Für diese Akteure bereiten wir gerade ein Konzept vor, das sowohl gemeinnützige als auch wirtschaftliche Tätigkeiten der re:publica beinhaltet. Mit diesem Konzept werden wir die oben genannten Akteure in den kommenden Monaten und mit einer langfristigen Perspektive dazu einladen, die re:publica auf Dauer zu sichern.

Doch auch ihr als zahlende Gäste seid gefragt. Bisher deckten die Einnahmen aus Ticketverkäufen bis zu 30% der Gesamtkosten einer re:publica ab, das war in 2022 natürlich durch die oben erwähnten Gegebenheiten sehr viel weniger. Und das müssen wir aufholen. Wir müssen daher die Ticketpreise ab 2023 spürbar erhöhen. 

Wir bieten die regulären Tickets für die re:publica 2023, die vom 5.-7. Juni 2023 wieder auf dem Gelände der Arena Berlin stattfinden wird, ab sofort für den Early-Bird-Preis von 199 Euro inkl. Gebühren und Umsatzsteuer an – von 199 Euro landen also etwa 155 Euro bei uns. Danach steigt der Preis in zwei weiteren Stufen auf 279 bzw. 299 Euro an (zum Vergleich: Die Preisstufen der rp22 lagen bei 149 / 225 / 235 Euro).

Die Preise der Business-Tickets heben wir noch wesentlich stärker an, bieten dafür aber auch weitere Vorteile wie Masterclasses und / oder exklusive Meetups an, die wir in den kommenden Wochen näher beschreiben werden.

Die Preise der rabattierten Tickets für Empfänger*innen von Sozialleistungen, für Studierende, Auszubildende, Rentner*innen und Menschen mit Behinderung werden wir jedoch senken. Das Early-Bird-Ticket wird bei 49 Euro beginnen und dann auf 79 bzw. 99 Euro steigen (rp22: 69 / 115 / 125 Euro). Wir möchten mit diesem Schritt wenigstens denjenigen ein Zeichen der Solidarität senden, die am allerwenigsten haben. 

Und selbstverständlich wird es auch weiterhin die Möglichkeit geben, kostenlos dabei zu sein. Wer sich als helfende Person anmeldet und uns vor, während oder nach dem Event acht Stunden lang unterstützt, erhält als Gegenleistung drei Tage lang kostenlosen Zugang zur re:publica. Und unseren großen Dank, denn mit eurem Einsatz unterstützt ihr die rp direkt und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Durchführung des Events. Dazu kommt die Möglichkeit, im Rahmen des Call-for-Participation Vorschläge einzureichen, wie man mit eigenen Ideen das (Rahmen-)Programm der kommenden re:publica bereichern kann. Und damit kostenlosen Zugang erhalten.

Wir wissen, dass die Erhöhung der Preise nicht toll ist und der Zeitpunkt kaum schlechter sein könnte. Wir wissen, dass es euch nicht besser geht als uns. Und dass eure Kosten genauso steigen – bei gleichbleibenden Einnahmen, im besten Fall. Doch wir müssen die oben beschriebenen Schritte der Preiserhöhung gehen – nicht nur an dieser Stelle, sondern auch in der Zusammenarbeit mit Partner:innen. Anders kann die re:publica nicht weiter funktionieren.

Wir bedanken uns für euer Verständnis und euer Vertrauen, denn wir wissen das wirklich zu schätzen. Und ihr könnt euch darauf verlassen, dass das ganze Team auch für 2023 wieder alles tun wird, um die re:publica zu dem einzigartigen Erlebnis zu machen, das sie sein soll. Und das sie immer war

Auf ein Wiedersehen im Juni 2023!

Tanja, Andreas, Johnny und Markus