re:publica 26
18.-20. Mai 2026
STATION Berlin
Unsere Demokratie ist in Gefahr – so sehr wie nie zuvor seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Während die einen die Rückkehr der „Baseballschlägerjahre“ fürchten, feiern die anderen die zunehmende Normalisierung menschenfeindlicher Positionen in der Gesellschaft. Woher kommt diese Lust an der Zerstörung? Was können wir gegen zunehmend totalitäre Tendenzen unternehmen? Und gibt es überhaupt noch Hoffnung?
Vor etwas mehr als zwei Jahren beschäftigten sich Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey in ihrem Bestseller „Gekränkte Freiheit“ mit der Frage, wie Libertarismus und Autoritarismus eine Union eingehen könnten (im Gegensatz zu Liberalen stehen Libertäre dem Staat meist ablehnend gegenüber). Inzwischen hat uns diese Realität eingeholt. Folgerichtig haben die beiden ein neues Buch über die Wähler*innen und Sympathisant*innen von Trump, Musk und der AfD verfasst, das sie auf der re:publica 26 vorstellen werden.
In der Monographie „Zerstörungslust“ fragen sie nach den Bedingungen, die das Destruktive in den Feind*innen offener Gesellschaften entfachen. Eine Erklärung ist, dass das frühere Aufstiegsversprechen demokratischer Gesellschaften immer mehr in Frage gestellt wird. Auch Krisen und persönliche Rückschläge oder Wettbewerbsdenken, das zu weniger Empathie und Solidarität führt, können rechtsextremes und autoritäres Gedankengut fördern. Die zwei Forscher*innen formulieren die These, dass es libertären Autoritären und ihren Anhänger*innen „um die Zerstörung der Welt [geht] als letzten, verzweifelten Versuch, sich davor zu retten, von ihr zermalmt zu werden.“
Oliver Nachtwey und Carolin Amlinger lassen uns mit dieser Erkenntnis jedoch nicht hängen. In ihrer #rp26-Session möchten sie gleichzeitig Hoffnung machen, denn eine politische Umkehr unter den Vorzeichen eines „postliberalen Antifaschismus” ist immer noch möglich!
Carolin Amlinger ist Literatursoziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Departement Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Basel. Promoviert wurde sie mit der Arbeit „Schreiben. Eine Soziologie literarischer Arbeit“ an der TU Darmstadt und dem Institut für Sozialforschung Frankfurt am Main. Ihre Dissertation wurde 2022 mit dem Dissertationspreis der Freunde der TU Darmstadt und dem Dissertationspreis der DGS-Sektion Arbeits- und Industriesoziologie ausgezeichnet.
Der Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaftler Oliver Nachtwey ist Professor für Sozialstrukturanalyse an der Universität Basel. Oliver Nachtwey forscht zum Wandel der Arbeit sowie zu gesellschaftlichen Modernisierungs- und Individualisierungsprozessen. Er beschäftigt sich mit der Entwicklung sozialer Konflikte, mit der Digitalisierung, mit Protesten und dem neuen Autoritarismus. Für sein Buch „Die Abstiegsgesellschaft. Über das Aufbegehren in der regressiven Moderne“ (2016) erhielt er mehrere Preise.
Ihr gemeinsames Buch „Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus“ (2022) stand auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch. 2025 erhielt Oliver Nachtwey zusammen mit Carolin Amlinger den Geschwister-Scholl-Preis für das gemeinsame Buch „Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus“.