Vom Tod in der Netzfamilie: Wie ist das mit dem Loslassen

Jens Scholz , Nadia Zaboura , Susann Kabisch

18.05.2026 16:15–17:15
Workshop 2
Deutsch
Workshop
Kunst & Kultur
#Ethik #Teilhabe & Zugang #Gesundheit #Never Gonna Give You Up
"Man muss loslassen", wird Trauernden ja gerne gesagt. Loslassen können scheint eine grundsätzliche Tugend zu sein. Aber das wirklich so eindeutig? Oder lassen wir zwischen Loslassen und Festklammern zu wenig Raum für mehr Möglichkeiten? Darüber wollen wir dieses Jahr miteinander reden.

Wir trauern immer öfter alleine und ein Grund dafür ist, dass wir das Gefühl haben, wir werden auch hier kritisch beobachtet, unsere Performance wird erfasst und bewertet und wir müssen uns für den Raum rechtfertigen, den unsere Trauer (und überhaupt unsere Emotionalität) einnimmt.

Es ist eine Tugend, sich abzugrenzen und loszulassen. Wir werden dazu aufgefordert, wenn wir in den Augen anderer zu lange brauchen. Wir wollen in unserer Session dieses Jahr hier gerne mal einen Schritt zurück gehen und uns fragen: Wieso nehmen sich andere eigentlich heraus, zu bestimmen, wann wir bereit sind, weiter zu gehen? Wozu trauern wir eigentlich? Und wann ist loslassen vielleicht sogar zu früh, weil wir eigentlich noch gar nicht fertig sind, einen Verlust zu verarbeiten?

Wie können wir verhindern, dass wir als Trauernde uns isolieren oder isoliert werden, nur weil wir die Anforderungen an möglichst schnelles Wiederfunktionieren nicht erfüllen können? Wie können wir Trauernden den Raum geben, in dem sie sich aufgehoben und sicher fühlen, so dass sie dann loslassen können, wenn sie wissen, dass es wirklich so weit ist und wissen, was sie vielleicht sogar behalten möchten?