It’s easier to swing an election than to win a war: Wie autoritäre Regierungen und Tech-Unternehmen die Demokratie in Europa zerstören wollen und was wir dagegen tun können

Alexandra Geese

18.05.2026 16:15–16:45
Loft
Deutsch
(Kurz-) Vortrag
Politik & Gesellschaft
#Digitalpolitik #Platforms #Geopolitik #Demokratie
Die USA blasen zum Angriff auf Europa. Durch die Nationale Sicherheitsstrategie der USA sind Digitalplattformen offiziell zu Instrumenten des "regime changes" auch in Deutschland geworden. Sie spielen eine entscheidende Rolle für die Einsetzung rechtsextremer Parteien in die Regierung, ein offizielles Ziel der USA-amerikanischen Außenpolitik.

Ihre wichtigste Waffe: Empfehlungsalgorithmen. Sie entscheiden heute darüber, welche politischen Inhalte sichtbar sind, welche Stimmen verstärkt werden – und welche verschwinden. Was als Optimierung eines Geschäftsmodells begann, ist heute ein politischer Machtfaktor: Plattform-Algorithmen boosten Hasse, Hetze und Desinformation, verstärken rechte Narrativ und regeln progressive Stimmen herunter. Rechtsextreme Akteure, autoritäre Regime und einflussreiche Tech-Eliten profitieren, Demokratien schauen hilflos zu.

Der Talk analysiert, wie algorithmische Systeme großer Online-Plattformen demokratische Prozesse in Europa konkret beeinflussen und Wahlkämpfe und politische Stimmung verzerren. Er erklärt, welche regulatorischen Hebel jetzt schon genutzt werden könnten, um den autoritären Angriff zu stoppen und die Macht wieder in die Händ der Nutzer*innen zu legen. Gleichzeitig richtet der Vortrag den Blick nach vorn: Welche politischen, regulatorischen und zivilgesellschaftlichen Projekte können wir jetzt umsetzen, um digitale Öffentlichkeit wieder demokratisch zu gestalten?

Digitale Plattformen sind heute zentrale Orte politischer Meinungsbildung. Ihre Algorithmen bestimmen Reichweite, Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit – und damit faktisch auch politische Macht. Dieser Talk zeigt, warum diese Systeme nicht neutral sind, sondern strukturell polarisierende und autoritäre Inhalte begünstigen.

Anhand aktueller Beispiele aus europäischen Wahlkämpfen wird erläutert, wie Empfehlungsalgorithmen systematisch extreme Positionen verstärken, journalistische Inhalte herabstufen und demokratische Akteure benachteiligen. Dabei wird unterschieden zwischen bekannten Mechanismen wie interaktionsbasiertem Ranking und Targeting und der direkten Einflussnahme durch Elon Musk selbst, der ausgewählte Parteien und Kandidierende boostet oder dimmt. So kann er auch die Agenda von Medien und Politik setzen. Dabei wird deutlich, wie eng ökonomische Plattformlogiken, die Ideologie einer kleinen, mächtigen Tech-Elite („aka the Tech Bros“) und autoritäre politische Strategien miteinander verflochten sind.

Der Talk ordnet diese Entwicklungen in einen größeren politischen Kontext ein: die Zerstörung der globalen Weltordnung, die gezielte Schwächung der Europäischen Union und den Versuch, demokratische Institutionen von innen heraus zu destabilisieren – nicht mit Panzern, sondern mit Plattformdesign. Die zahlreichen politischen Drohungen der Trump-Regierung und die Visa-Sanktionen gegen fünf Europäer*innen untermauern die Bedeutung dieser Strategie.

Abschließend zeigt der Vortrag konkrete Handlungsoptionen auf: Welche Rolle kann und muss europäische Digitalpolitik spielen? Wie lassen sich bestehende Instrumente wie der Digital Services Act konsequenter einsetzen? Wie schnell können wir konkurrenzfähige europäische Plattformen an den Start bringen?

Der Talk richtet sich an alle, die verstehen wollen, warum Demokratie heute auch eine Frage von Plattformarchitektur und Regulierung ist – und warum Untätigkeit keine Option mehr ist.